RecruitingHUB – Job-Multiposting auf alle Stellenbörsen (Illustration)
Stationen · 2017 – 2018 · Prospective Media Services AG, Zürich

RecruitingHUB: erst die Frage, dann die Screens.

Engagiert wurde ich, um Detailscreens auszuarbeiten. Vorgefunden habe ich ein Produkt ohne definierte Zielgruppe und Stakeholder, die nicht mehr miteinander redeten. Schöne Screens hätten daran nichts geändert – also habe ich zuerst die Fragen geklärt.

+30%
Conversion im Auftragsprozess
150
Befragte potenzielle Kund:innen
18
Monate, Head of Product Marketplace
2
Prozess-Hälften: Gestalten / Schalten
1
Atomic Design System
KMU
SaaS für E-Recruiting

Die Ausgangslage: ein Produkt im Blindflug.

RecruitingHUB sollte KMU ohne Recruiting-Erfahrung alles aus einer Hand geben: zeitgemässe Stellenanzeigen gestalten, auf den richtigen Börsen schalten, Bewerbungen verwalten – eine Rechnung statt fünf Verträge. Das Produkt war bereits in Entwicklung, aber noch nicht am Markt. Die externe UX-Agentur war weg, das Konzept lückenhaft, und die Stakeholder tauschten sich nicht mehr konstruktiv aus. Je nachdem, wen man fragte, war eine andere Zielgruppe gemeint – mit jeweils anderem Featureset.

Mein offizieller Auftrag: Detailscreens ausarbeiten, Konzeptarbeit vorantreiben. Mein tatsächlicher erster Job: dafür sorgen, dass überhaupt wieder miteinander geredet wird – und Beweise sammeln, dass wir die Kundschaft befragen müssen, bevor wir weiterbauen.

Research gegen Widerstände

Mit rudimentären Personas aus den vorhandenen Daten habe ich der Geschäftsleitung sichtbar gemacht, wie weit die internen Zielgruppen-Vorstellungen auseinanderlagen – und damit Zeit für echten Research gewonnen. Zusammen mit dem Marketing haben wir 150 potenzielle Kund:innen kontaktiert: Fragebogen an bekannte Kontakte, Cold Calls am Telefon. Welche Zielgruppe braucht das wirklich? Welche können wir ausschliessen? Stimmt unsere Priorisierung?

Eine simple Erwähnung im Meeting reicht nicht. Erst musste ich Beweise sammeln, um Research betreiben zu dürfen – und dann Research betreiben, um die Strategie drehen zu können.

Der Umbau: Gestalten und Schalten trennen

Die Hotjar-Aufnahmen zeigten, wo der Auftragsprozess Kundschaft verlor. Meine Hypothese: Das Konzept vermischte zwei grundverschiedene Aufgaben – die Gestaltung der Anzeige und ihre Schaltung auf den Stellenbörsen. Ich habe den kompletten Prozess als Lofi-Mockups neu aufgebaut, in schnellen Iterationen getestet und sauber in diese zwei Hälften getrennt. Parallel entstand ein Atomic-Design-System in Sketch, damit Design und Entwicklung dieselben wiederverwendbaren Bausteine nutzen.

Einen Monat nach dem Release der neuen Struktur haben wir mit dem Marketing die Funnels ausgewertet: rund 30 Prozent mehr Conversion im Auftragsprozess. Und ein unerwarteter Bonus für den Verkauf: Weil Abbrechende schon viele Daten hinterlegt hatten, konnte das Sales-Team gezielt auf ihre Bedürfnisse eingehen. RecruitingHUB ist übrigens bis heute am Markt.

Was hängen geblieben ist

UX-Reife lässt sich nicht verordnen, sie muss erarbeitet werden – mit Belegen, nicht mit Appellen. Die reale Welt weicht vom Schulbuch ab; wer methodisch stur den direkten Weg aufs Ziel steuert, bleibt stehen. Und: Ein Design-System beschleunigt enorm – aber nur, solange jemand die Ownership dafür trägt.

Zahlen: Funnel-Auswertung Google Analytics/Hotjar nach Release (ca. +30% Conversion) · Arbeitszeugnis Prospective Media Services PMS AG, Dezember 2018 · eigene Falldokumentation 2017–2018.

Was davon heute in meiner Arbeit steckt

Erst herausfinden, was gebaut werden soll – dann bauen. Genau diese Reihenfolge steckt heute in meinem Prototyping-Angebot: User Research und Design Sprints davor, echte Software danach.